Halbammerhütte

Ludwigs Königshäuschen im Halbammertal

von Martin Fend

Im nördlichen Ammergebirge – im Tal der Halbammer beim „Wilden Jäger“ – befand sich einst ein Königshaus Ludwigs II. Heute steht auf den Fundamenten der königlichen Hütte die „Hubertuskapelle“. Wer durch die wildromantische Halbammerschlucht dorthin wandert, passiert die „Ewigkeitsbrücke“, wo ein Marterl an ein tragisches Unglück erinnert: 1885 kam hier der Kurier Leonhard Gindhard in Ausübung seiner Dienste für den König ums Leben.

Hubertuskapelle (980 m) beim Wilden Jäger

Hubertuskapelle (980 m) beim Wilden Jäger

Ludwig II. im Halbammertal
Die Halbammer, ein Nebenfluss der Ammer, speist sich aus den Bächen der Trauchberge im Norden des Ammergebirges. Als wilder Bergbach bahnt sie sich ihren Weg durch eine Schlucht zu Tal, wo sie nordwestlich von Altenau in die Ammer mündet. Ludwigs Vater Max II. hatte nahe der Halbammer beim „Wilden Jäger“ eine Jagdhütte bauen lassen. König Ludwig übernahm das Jagdhaus und besuchte es im Rahmen seiner Bergfahrten jedes Jahr, meist im Juni. Der König reiste entweder von Linderhof an oder kam von seinen nahe gelegenen Hütten am Pürschling und Brunnenkopf herüber.

 

Talstation Forsthaus Unternogg
Als Tal- und Versorgungsquartier für das Königshäuschen an der Halbammer diente damals das Forsthaus Unternogg (840 m), wo Ludwig II. zuweilen auch übernachtet haben soll. Das Forsthaus nahe der Ortschaft Altenau nördlich von Unterammergau ist heute ein beliebtes Gasthaus mit Biergarten. Am Wanderparkplatz – 200 m hinter dem Haus – beginnt der bequeme Wanderweg durch die wildromantische Schlucht der Halbammer zum „Wilden Jäger“ (980 m), dem einstigen Standort der königlichen Berghütte.

Hier geht’s zur Seite des Gasthauses „Forsthaus Unternogg“!

 

Einst Königshäuschen – heute Hubertuskapelle
Exakt an der Stelle, wo einst das Königshaus Ludwigs II. stand, befindet sich heute die „Hubertuskapelle“. Jakob Alletsee aus Oberammergau ließ sie im Jahre 1903 errichten. Wann das Königshaus abgerissen wurde, wissen wir nicht. Doch aus einem Schreiben des Forstamtes Oberammergau an die Königliche Regierungsforstabteilung vom 14. Mai 1903 geht hervor, dass das Königshaus schon damals nicht mehr existierte. Alletsee, so heißt es dort, habe den Standort gewählt, um die Erinnerung an das „ehemalige Königshaus“ festzuhalten, zumal „die beim Abbruche nicht beseitigte Betonplatte ein gänzlich unproduktives Terrain darstellt„. Außerdem habe ihn „ein Gefühl des Dankes gegen Gott“ zum Bau der Kapelle gedrängt, weil er „45 Jahre bei den schweren Holzarbeiten in den Halbammerwaldungen an Leib und Leben unbeschädigt und unverletzt geblieben sei.“ Obwohl Alletsee die Kapelle – wohl aufgrund eines Missverständnisses – zunächst ohne Baugenehmigung errichtete, befürwortete das Forstamt Oberammergau das Unterfangen nachträglich: Die Kapelle komme „dem religiösen Grundzuge des Gebirgsbewohners entgegen„; und „die Erinnerung an das Königshaus“ verdiene schließlich Anerkennung.

Immerhin sind die Fundamente des Königshäuschens noch deutlich zu sehen. Der Standort liegt in einer Talmulde, umgeben von mehreren kleineren Gipfeln der Trauchberge: Wachsbichel (1316 m), Lauskopf (1363 m), Schwabenkopf (1346 m) und Roßkopf (1272 m). Neben der Kapelle befand sich zu König Ludwigs Zeiten ein großer Pferdestall – inzwischen ein Dienstgebäude der Forstverwaltung „Beim Wilden Jäger“.

Topfennudeln für den König
Im Halbammergebiet gab es früher zahlreiche Wetzsteinbrüche, die von den Unterammergauer Wetzsteinmachern genutzt wurden. Einmal soll König Ludwig in eine der Wetzsteinmacher-Hütten eingekehrt sein und gemeinsam mit den Wetzsteinmachern Topfennudeln gegessen haben.

Ein tödliches Unglück
Von einer Bergfahrt Ludwigs II. in die Halbammer im Jahre 1885 berichtet Thomas Osterauer, ein junger Gefreiter der Cheveauleger (leichte Kavallerie), der seit Mai 1885 im Kammerdienst des Königs war:
Vom Pürschling kamen wir in die Halbammer. Hier sah es wirklich aus, als wenn die Welt mit Brettern vernagelt wäre. Von hohen Bergen umsäumt, war in einer Mulde das Königshäuschen, die Küche und Stallung. Außer uns war noch ein Kohlenbrenner namens Sanktjohanser da. Dieser Sanktjohanser hatte die Ehre, daß er mit dem König verkehren durfte. Er war ein alter Junggeselle. Es war beabsichtigt, eine italienische Nacht zu veranstalten, aber ein kommendes Gewitter vereitelte es. Es kam ein Wolkenbruch. Die sonst so kleine Halbammer wurde zum reißenden Fluß, die Straße nach Unterammergau [Unternogg] wurde fortgerissen. Ein Postillon, der gerade auf der Straße war, wurde fortgerissen und fand samt dem Pferd den Tod. Da nur ein Ausweg da war, mußten wir hinten bleiben, bis eine Straße hergestellt war.“

Das Marterl bei der Ewigkeitsbrücke
Zur Erinnerung an das tragische Unglück steht bei der „Ewigkeitsbrücke“, wo die Halbammer auf die linke Seite des Forstweges wechselt, ein Martel. Es erinnert an den königlichen Kurier Leonhard Gindhard aus Wurmansau (einer Ortschaft nahe dem Halbammertal), der hier 1885 ums Leben kam. Zugleich mahnt das Marterl indirekt auch alle Wanderer zur Vorsicht: Bei Unwetter kann es in der Halbammerschlucht gefährlich werden!

Literatur:
Mario Praxmarer, Peter Adam, König Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol, Garmisch-Partenkirchen 2002, 111f.

Schreiben des Forstamtes Oberammergau (Gröbl) an die Königliche Regierungsforstabteilung vom 14. Mai 1903, Betr. „Einrichtung einer Kapelle am wilden Jäger“; Transkription Eugen Huber, Unterammergau


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