Liebe zu den Bergen

„Auf den Bergen ist Freiheit…“ – Ludwigs Bergbegeisterung

Ludwig II. besaß mehrere prunkvolle Schlösser. Dennoch hielt er sich am liebsten in ganz einfachen Berghütten auf – mitten im abgeschiedenen Gebirge. Das fanden schon Zeitgenossen ungewöhnlich und rätselhaft für einen König. Von „Flucht“, „krankhafter Menschenscheu“ und „Schwermut“ war die Rede. Aus privaten Briefen Ludwigs II. geht hervor, was den König in die Bergwelt zog.

Blick vom Schachen-Pavillon auf Hochblassen und Alpspitze

Blick vom Schachen-Pavillon auf Hochblassen und Alpspitze

Auf den Bergen ist Freiheit!
Der Hauch der Grüfte
Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte.
Die Welt ist vollkommen überall,
Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.“
(Schiller, Die Braut von Messina)

Der König erklärt sich
In zahlreichen Briefen hat Ludwig II. erklärt, warum er die Gebirgswelt liebte und woher sein Bedürfnis kam, sich regelmäßig dort aufzuhalten:

„…dort, im Anschauen jener großartigen Naturschönheiten wird dem Menschen die Heiligkeit, die ehrfurchterweckende Erhabenheit der Schöpfung klar, seine Seele fühlt sich dem Unendlichen näher, wird zur tiefsten Anbetung gestimmt, zum Lobpreisen des allmächtigen Geistes, der uns geschaffen…“ (an Sibylle von Leonrod, 30. November 1865)

„Endlich nahten für mich wieder heilere und schönere Tage des Friedens und ruhiger Sammlung, die ich auf den Bergesgipfeln, umweht von balsamisch stärkender Himmelsluft nie vergeblich suche.“ (an Cosima von Bülow, 8. August 1867)

„Im Großen und Ganzen bin ich froh und zufrieden, nämlich auf dem Lande, im herrlichen Gebirge – elend und betrübt, oft im höchsten Grade melancholisch bin ich einzig und allein in der unseligen Stadt.“ (an die Schauspielerin Marie Dahn-Hausmann, 25. April 1868)

„Nichts ist stärkender für Geist und Körper als viel in Gottes freier Natur sich zu bewegen; dort oben auf freier Bergeshöhe ist die Seele dem Schöpfer näher, schöner und erhabener ist es da als im Qualm der Städte, wo die wahren Freuden ihren Sitz wahrlich nicht haben.“ (an Sibylle von Leonrod, 29. August 1868)

„Welche Sehnsucht habe ich nach den Bergen. – Auf den Bergen ist Freiheit und überall, wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.“ Hier gebraucht Ludwig das oben vollständig zitierte Schiller-Wort. (an Sibylle von Leonrod, 28. August 1870)

Blick vom Hochkopf

Blick vom Hochkopf

Man soll mir die idyllische Einsamkeit und die romantische Natur, deren Schönheit im Winter noch ungleich größer ist als im Sommer, nicht durch Eisenbahnen und Fabriken stören. Auch für zahlreiche andere Menschen, als ich einer bin, wird die Zeit kommen, in der sie sich nach einem Lande sehnen und zu einem Fleck Erde flüchten, wo die moderne Kultur, Technik, Habgier und Hetze noch eine friedliche Stätte weit vom Lärm, Gewühl, Rauch und Staub der Städte übrig gelassen hat.“ (L. im Gespräch mit Ingenieur Anton Memminger, dessen Projekt einer Fernbahn von Kempten ins Inntal der König ablehnte, Herbst 1878)

„Es gibt nichts, was das Herz so frei macht und so sehr über die schmerzlichen Eindrücke der menschlichen Dinge erhebt, nichts was so versöhnlich wirkt als die Natur in ihrer ewigen Schönheit und Größe.“ (an den Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, 9. Juni 1879)

Literatur:
Franz Merta, König Ludwig II. von Bayern als Alpinist und Naturfreund, in: Alpenvereinsjahrbuch „Berg ’91“, München 1991, 251-268.
Gisela Haasen (Hg.), Ludwig II. Briefe an seine Erzieherin, München 1995.