Roseninsel

Inselidylle im Starnberger See

Einst eine Privatinsel der bayerischen Königsfamilie – heute ein Geheimtipp für Liebhaber romantischer Gartenbaukunst. Eine urige Kahnfahrt führt in die Idylle: Die herrliche Landschaft des Starnberger Sees – im Lennépark auf der Roseninsel ist sie ideal in Szene gesetzt. Das „Casino“, wo Ludwig und Sisi die Beine baumeln ließen, kann man besichtigen. Wer die historischen Rosen des berühmten Rosengartens beschnuppern möchte, besucht die Insel zur Rosenblüte.

Traditionell und gemütlich mit der „Plätte“ zur Insel

Ihren jetzigen Namen verdankt die Insel dem Rosengarten, der nach 1850 angelegt wurde. Bis dahin trug sie den Namen „Wörth“, ein typischer Inselname aus der Zeit des Mittelalters. Auch der See hieß zu Ludwigs Zeiten anders: „Würmsee“, benannt nach dem Flüsschen Würm, das bei Starnberg nach Norden abfließt. Der Name „Starnberger See“ wurde erst 1962 offiziell festgeschrieben.

Fährmann, hol über!
Die Roseninsel ist die einzige Insel im Starnberger See. Sie liegt am Westufer in der Feldafinger Bucht. Von Mai bis Oktober kann man sich vom Fährmann mit der „Plätte“, dem traditionellen kiellosen Holzkahn, übersetzen lassen. Der Fährmann „holt über“, sobald man die Glocke am „Glockensteg“ läutet. Nur 170 Meter entfernt vom touristischen Treiben des Festlands, beschirmt von dichter Uferbepflanzung betritt man ein stilles, einzigartiges Inselidyll: eine lichtdurchflutete Parklandschaft mit Villa im pompejanischen Stil und prachtvollem Rosengarten.

 

Idealisierte Naturlandschaft von Lenné
Ludwigs Vater Max II. kaufte die „Wörth im Würmsee“ 1850 von der Fischerfamilie Kugelmiller für 3000 Gulden. Er ließ die gesamte 2,5 Hektar große Insel zum Sommerdomizil für die königliche Familie umgestalten. Engagiert wurde der preußische Landschaftsarchitekt Peter Josef Lenné (1789-1866). Der Generaldirektor der Königlich Preußischen Hofgärten war eine Art „Leihgabe“ unter Verwandten: Königin Marie von Bayern war die Cousine Wilhelms IV. von Preußen. Lenné gestaltete die Roseninsel zu einem ersten Beispiel des Historismus in der Gartenbaukunst – als Idealbild einer Naturlandschaft: Sanft geschwungene Wege als „stumme Führer“ durch wechselnde Landschaftsbilder. Sorgfältig geplante, durch Baumpflanzung gezielt in Szene gesetzte Sichtfenster zum Starnberger See mit grandioser Alpenkulisse. Man begreift sofort, weshalb Ludwig II. oder Kaiserin Sisi so gerne herkamen: Das zauberhafte Inselparadies verströmt Harmonie, Ruhe und einen wunderbaren Duft.

 

Geruchskonzert mit 2000 Rosen
Das Rosarium, ein Rosenrondell mit Hunderten seltener Hochstamm- und Strauchrosen, bildet den Mittelpunkt der Insel. Die geometrische Anlage im Stil französischer Gärten steht im Kontrast zum englischen Stil der umliegenden Insellandschaft. Die 5,5 m hohe Säule im Zentrum des Rondells war ein Geschenk des Preußenkönigs, als Zeichen verwandtschaftlicher Verbundenheit. Unter Max II. wurden weit über 1000 Rosen gepflanzt; Ludwig II. ließ weitere 1000 ergänzen. Luise von Kobell schreibt 1898: „Näherte man sich der Roseninsel auf den Fluten des Starnbergersees, so entstieg dem Eiland ein so ätherisches Geruchskonzert, wie man es nur in Persien gesucht hätte. Und welchen sanften Farbenschmelz hat hier die Gartenkunst hervorgebracht durch die Zentifolie, Moos-, Thee-, Bibernell-, Zimmt-, Pompon-, Monats-, Bourbon-, Bischofs-, Moschus-, Pfingstrose und durch die lieblichen Burgunder- und Dijonröschen.“ – Rosenliebhaber sollten die Insel zur Rosenblüte besuchen: Die erste Blüte ist in der Regel Mitte Juni, die zweite Mitte August. Die Rosen blühen jeweils etwa vier Wochen lang.

Aktuelle Hinweise zur Rosenblüte gibt’s hier – auf der Seite der Bayerischen Schlösserverwaltung!

 

Spielhaus für Sommertage
Etwas Besonderes ist das „Casino“, die königliche Sommervilla auf der Roseninsel. Der bayerische Architekt Franz Jakob Kreuter (1813-1889) entwarf den zweigeschossigen Bau als eine Mischung aus antik-pompejanischer Villa, toskanischem Landhaus und „national-bayerisch“-alpenländischem Gebirgshaus. Gebaut wurde 1851 bis 1853. Die Bezeichnung „Casino“ (= Spielhaus) erklärt die Funktion des Gebäudes: Es diente der königlichen Familie als privater Rückzugsort, zur Erholung bei Tagesausflügen von Schloss Berg. Koch- und Schlafgelegenheiten des Hauses fallen entsprechend provisorisch aus. Dafür bietet die romantische Villa mit Terrassen, Lauben, Balkonen und Aussichtsturm unzählige Möglichkeiten, einen Sommertag angenehm zu verbringen. Im Rahmen einer Führung können die Innenräume besichtigt werden. Besonders sehenswert ist der Speisesaal im Obergeschoss mit kunstvoller Kassettendecke, Viktorien-Figuren von Schwanthaler und klassizistischem Keramik-Kaminofen.

 

Touristen kommen
Unter Max II. begann die touristische Erschließung des Starnberger Sees. 1851 ging dort der erste Raddampfer in Betrieb. Ab 1854 brachte die neue Eisenbahnstrecke München-Starnberg immer mehr Münchner und „Sommerfrischler“ an den See. Max II. ließ sich für private Zwecke ein Raddampferboot bauen. Ludwig II. übernahm den Dampfer und nannte ihn „Tristan„.
Die Blütezeit der Roseninsel endete mit Ludwigs Tod 1886. Danach begann der Verfall. 1970 kaufte der Freistaat Bayern die verwilderte Insel aus dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds. Die Bayerische Schlössverwaltung arbeitet seit 1997 an der originalgetreuen Wiederherstellung und Erhaltung von Park und Casino auf der Roseninsel.

Besucherinformationen vom Förderkreis Roseninsel e.V. gibt es hier!

Literatur:
Die Roseninsel im Starnberger See. Amtlicher Führer, berab. v. Elmar D. Schmid, München (Bayerische Schlösserverwaltung) 2006.
Martha Schad, Romanzen auf der Roseninsel, Rosenheim 2007.