Kurhotel Bad Kochel

Ludwigs Stützpunkt am Kochelsee

von Christian Walther

Im Kochelsee, dem „Spiegel des Herzogstands“, spiegelt sich der Berg je nach Witterung und Tageszeit an der Wasseroberfläche. Ein atemberaubender Blick, den schon Ludwig II. zu schätzen wusste. Der König kam öfter ins einstige Kurhotel Bad Kochel. Er nutzte den Ort als Stützpunkt und Talstation für seine Bergfahrten zum Herzogstand.

Blick über den Kochelsee (605m) zum Herzogstand (1731m)

Hochkarätige Gäste in Kochel
Im 19. Jahrhundert war Kochel beliebt bei der feinen Gesellschaft: Man empfing König Ludwig I. (Ludwigs Großvater), König Max II. (Ludwigs Vater), die berühmten Maler Wilhelm von Kaulbach (1805-1874) und Moritz von Schwind (1804-1881) und den preußischen Ministerpräsidenten und Reichskanzler Otto von Bismarck.

Heilquelle entdeckt
Im Jahr 1860 wurde in Kochel eine hochwertige Natronquelle erschlossen. Kochel durfte sich Kurort nennen. Die Heilquelle erhielt zu Ehren der Königin-Mutter Marie (Ludwigs Mutter) den Namen „Marienquelle“. Das Grundstück am Aspenstein, wo sich die Quelle befand, gehörte Georg v. Dessauer (1793-1870), einem königlichen Hofrat und Rechtsanwalt Ludwigs I.

Ein Kurhotel für „Bad“ Kochel
Dessauers Sohn Heinrich (1830-1879) richtete im Jahr 1861 das Kurhotel Bad Kochel ein, um die Quelle gewinnbringend zu nutzen. Das noble Haus hatte 42 Zimmer und einen großen Speisesaal. Doch schon 1869 zog Heinrich es vor, nach Chile auszuwandern. Seine Mutter Louise (1803-1892) führte den Betrieb bis 1887 weiter, dann verkaufte sie. Die Heilquelle versiegte um 1920.

Kurhotel Bad Kochel AK um 1900

Kurhotel Bad Kochel AK um 1900

Kochel als Stützpunkt königlicher Bergfahrten
Wenn Ludwig II. im Kurhotel wohnte, war sein Gefolge im Gasthof Post untergebracht. Die Familie Dessauer half dem König dabei, seine alljährlichen Bergfahrten zum Herzogstand zu organisieren. Kochel wurde zu einem wichtigen Stützpunkt – war Talstation, während der König auf Bergfahrt am Walchensee war.

Mondschein-Lithographie gel 1900

Mondschein-Lithographie gel 1900

Wohnhaus und Pferdestall am Bergfeld
Im Jahr 1870 wurde auf dem Bergfeldacker nahe dem Kurhotel eigens ein geräumiges Wohnhaus errichtet, das Ludwig II. in mehrfacher Hinsicht nutzte. Während er selbst am Herzogstand war, tagte hier unten sein Arbeitsstab zur Erledigung der Regierungsgeschäfte. Die täglich eingehenden Depeschen mit Nachrichten und Schreiben für den König wurden von hier durch berittene Boten zum Herzogstand hinauf gebracht, vom König bearbeitet und sogleich zurück nach München befördert.

1871 kam neben dem Wohnhaus am Bergfeld ein Pferdestall hinzu. So konnten die königlichen Reitpferde auf der Wiese am Haarreißbach grasen. Die Pferdeknechte kamen im Wohnhaus unter. Anzunehmen ist, dass gelegentlich Karl Hesselschwerdt – seit 1864 Leibreitknecht und seit 1880 Marstallfourier, Reiseorganisator und Vertrauter des Königs – hier übernachtete.

Das Wohnhaus soll – laut mündlicher Überlieferung – aber auch den Lastenträgern und Wegearbeitern als Unterkunft gedient haben, die dafür zu sorgen hatten, dass die Reit- und Fahrwege zum Herzogstand jederzeit nutzbar waren.

Kochel und Walchensee AK gel 1913

Kochel und Walchensee AK gel 1913

Das Königszimmer im Kurhotel – heute St. Anna-Heim
Der König bezog stets das „Königszimmer“ mit wunderschönem Ausblick auf den Kochelsee und die umliegenden Berge. Inzwischen gehört das einstige Kurhotel dem Orden der St.-Anna-Schwestern, die hier ein Kinderheim führen. Die ehemals kleinen Pflanzen vor dem Königszimmer sind zu prächtigen Bäumen herangewachsen und versperren den Blick.

Nach einem Brand im St. Anna-Heim wurde das Königszimmer in einen anderen Gebäudeflügel verlegt. Original erhalten sind der kunstvoll eingelegte Holzfußboden sowie Tisch und Spiegel des Königszimmers. Die Deckenbemalung wurde kopiert und eine ähnliche Tapete gespannt. Der Raum wird heute für Hochzeiten und Kommunionen genutzt, und die Schwestern verbringen darin den Heiligen Abend „wie eine große Familie“.

Das Zimmer kann nicht touristisch besichtigt werden. Aber der schöne Ausblick am Ende der Badstraße vom Ufer des Kochelsees zum Herzogstand lohnt allemal einen Besuch – auf den Spuren König Ludwigs II. in Kochel.

Literatur:

Jost Knauss, Siegfried Zauner, Der Herzogstand zwischen Kochel- und Walchensee. Alte und neue Informationen zur Geschichte des berühmten Berges. Eine Dokumentation. (Mitteilungen des Vereins für Heimatgeschichte im Zweiseenland Kochel e.V.), Kochel 2010.

Mario Praxmarer, Peter Adam, König Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol, Garmisch Partenkirchen 2002, 29-36.


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