Hightech im Schloss

Des Königs Faszination für die Technik

von Vanessa Gewehr

Am Beispiel von Schloss Neuschwanstein ist die Begeisterung für die technischen Entwicklungen zur Zeit der Industrialisierung von König Ludwig II. deutlich zu erkennen. Es entstand ein Kontrast zwischen dem Wunsch nach einer Rückorientierung zum romantischem Baustil und der Begeisterung für die Technik.

 

Seitliche Momentaufnahme der Burg

Ludwig als Vorreiter der Technik?
König Ludwig II. zeigte schon früh großes Interesse an den neuesten technischen Entwicklungen seiner Zeit, die bei den Schlossbauten zum Einsatz kamen. In Schloss Linderhof beispielsweise ließ er in die von ihm in Auftrag gegebene „Venusgrotte“ elektrische Glühbirnen integrieren; So entstand ein fast überirdisches Schauspiel der Lichtreflexionen durch das Wasser. Auch an seinem Prachtschlitten ließ er an den vorderen Seiten batteriebetriebene Lampen anbringen, um die winterliche Nacht zu erhellen.
Eines der bekanntesten Beispiele für seine Begeisterung für die Technik findet man in dem Monumentalwerk Schloss Neuschwanstein.

Anfängliche Schwierigkeiten beim Schlossbau 

Als König Ludwig den Plan fasste, ein Schloss etwas oberhalb seines Elternschlosses zu bauen, musste zuerst das unebene Gelände geebnet werden. Also begann das Bauprojekt mit der Abtragung der Vegetation und der Ruinenreste, die als Symbol längst vergangener Zeiten fungierten. Um das Material für die geplante Burg leichter zu transportieren, wurden am westlichen Ende der  neu geschaffenen Plattform, die durch die Abtragung der Ruinenreste entstand, ein Gerüst und ein Dampfkran errichtet.
Jedoch stellte nicht nur die Verwendung eines Dampfkranes eine technische Erneuerung dar, sondern auch die modernen Einbauten im Inneren waren Zeugnisse der industriellen Orientierung.

Unentschlossenheit als dominater Charakterzug!
Die Einbauten im Inneren entstanden meist durch kurzfristig vorgenommene Veränderungen des Bauplans, da König Ludwig II. die Angewohnheit besaß, den fertig gestellten Entwurf des Schlosses durch neue Ideen zu verändern. Dadurch musste nicht selten eine schon errichtete Mauer zerstört und an anderer Stelle wieder aufgestellt werden. Einer seiner kompliziertesten Wünsche war die Erweiterung seines Thronsaals.

Palas mit der kompliziert durchdachten Konstruktion im Thronsaal

 Die Kreativität der Arbeiter

Um die Statik der Wände nicht zu gefährden und eine bessere Verteilung des Gewichts zu erreichen, wurde unter dem Thronsaal ein so genannter Doppel-T-Träger eingebaut. Eine weitere technische Vorkehrung war die Konstruktion der Kuppel über dem Thronsaal. Dieser konnte aufgrund der Statik nicht auf herkömmliche Weise durch Ziegelmauerwerk erbaut werden. Die Lösung bestand darin, dass sie aus einer halbmondförmigen Eisenkonstruktion erstellt wurde, die sich wie ein Spinnennetz über die Eisenstangen legte.
Von Bedeutung war ebenfalls die Vorgehensweise der geplanten Wintergartengrotte, die möglichst realistisch dargestellt werden sollte. Mit Hilfe einer Verknüpfung aus einem Drahtgeflecht und einer Leinwand, die mit Zement versehen war, konnte diese hergestellt werden.

Neuschwanstein als moderne Behausung

Nicht nur im Bereich der Architektur in Bezug auf verschiedene Konstruktionen, die zur Realisierung der Vorstellungen des Königs dienten, wurden die Erkenntnisse der Technik verwendet. Ebenso fanden neueste technische Entwicklungen in der Küche sowie im Heizsystem und der damit verbundenen Warmwasserversorgung ihre Anwendung im Schloss.

 Quellen:

Mario Praxmarer u. Peter Adam. „König Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol“

Jean Louis Schlim.“ Ludwig II. Traum und Technik