Neuschwanstein

Träumerische Vergangenheit vs. gnadenlose Wirklichkeit

von Vanessa Gewehr

Sowie das Schloss Hohenschwangau durch Maximilian II. restauriert und ausgebaut wurde, so ließ König Ludwig II. Schloss Neuschwanstein an der Stelle der Burgruinen Vorder- und Hinterhohenschwangau gänzlich neu entstehen. Das Schloss sollte als Rückzugsort des Königs dienen …

Das "Märchenschloss" von König Ludwig II. in Hohenschwangau

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts standen an der Stelle der Schlösser „Neuschwanstein“ und „Hohenschwangau“ vier Burgen, die einen wichtigen Zugang nach Tirol bewachten. Diese Burgen waren jedoch bereits verfallen.
Die am besten Erhaltene war Burg Schwanstein, das heutige Hohenschwangau. Sie wurde von Kronprinz Maximilian II. renoviert und ausgebaut, nachdem er sie 1832 erworben hatte.

Baugeschichte Neuschwanstein
Die Ruinen Vorder- und Hinterhohenschwangau ließ König Ludwig II. nicht wieder aufbauen, sondern gänzlich neu entstehen. Dort, wo einst die Ruinen standen, ließ er 1869 Schloss Neuschwanstein erbauen, das heute eines der bekanntesten Schlösser der Welt ist.
Die Inspiration für die ersten Planungen des Märchenschlosses ist auf den Besuch des Königs auf der Wartburg zurückzuführen. Um seine Vorstellungen realisieren zu können mussten die verbliebenen Ruinen abgetragen und die Fläche geebnet werden. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1868. Die Zufahrtstraße wurde erst im Juni 1869 fertiggestellt, und anschließend wurde am 5. September 1869 der Grundstein der „neuen Burg“ gelegt. Der gewünschte rasche Bauvorgang konnte  jedoch aufgrund der ständig veränderten Planungen nicht eingehalten werden. Bis auf Weiteres konnte nur der Torbogen erbaut werden, der erstmals 1873 bezugsfertig war, und der König Ludwig II. später als Quartier diente. Erst 1884 wurde der Palast bewohnbar – der König sah sein Schloss bis zuletzt nur als Baustelle.

Der beliebte Ludwig II.

Eintritt in die Welt des Märchenkönigs

Sieben Wochen nach dem Tod des bayrischen Königs wurde die Burg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – jetzt wurde sein Refugium zum Publikumsmagneten. Ursprünglich stellte die Burg eine Möglichkeit für Ludwig II. dar, sich zurückzuziehen . Heute zählt Neuschwanstein zu den bedeutendsten und meistbesuchten Monumentalbauwerken Europas. Die durchschnittliche tägliche Besucherzahl in den Sommermonaten beträgt ca. 6000 Personen, die durch die Räumlichkeiten wandern. Obwohl diese Räume zu Beginn nur für eine Person gedacht waren. Umgefähr 1,3 Millionen Besucher jährlich besichtigen das „Märchenschloss“! Diese enorme Belastung der Innenausstattung hat eine ständige Sanierung der Räumlichkeiten zur Folge, die jedoch aufgrund des festgelegten Etats nur zu einem bestimmten Maß geleistet werden kann.

 Ludwig II. – international

Aber nicht nur die Besucher zeigen ein deutliches Interesse an „König Ludwig II.“ ; auch im Bereich der Kunst wurde schon in früheren Jahren die Geschichte König Ludwigs aufgegriffen. Der Künstler Andy Warhol fertigte einige Ansichten  des Schlosses im Stil der  „Pop-Art“ durch Siebdruck an – diese malerischen Darstellungen von Neuschwanstein stellen bis heute ein Kultprodukt dar. Seit Neuestem bietet auch die Staatsbibliothek der jungen „Hightech-Generation“ die Möglichkeit, durch einen neuen „App“ (Smartphone-Applikation) das Schloss auf virtuelle Weise zu erleben. Seit dem 24. September 2011 wurde die neue, kostenlose Location-Based-Services-App Ludwig II. veröffentlicht, die einem die Möglichkeit gibt, Schloss Neuschwanstein aus einem virtuellem Blickwinkel zu betrachten. Sie entstand in Zusammenarbeit der Bayrischen Staatsbibliothek und der Bayrischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.

Schloss als Inspiration des Kunst

König Ludwigs Vorhaben einer völligen Abgeschiedenheit von der Öffentlichkeit steht heute im absoluten Kontrast zur gnadenlosen Wirklichkeit. Der Charakter des Königs sowie seine Leidenschaft, Schlösser zu bauen, und sein mysteriöser Tod trugen maßgeblich dazu bei, dass König Ludwig II. populärer als je zuvor ist.

 

 Quellen:

In Zusammenarbeit mit der Bayrischen Staatsbibliothek (www.bsb-muenchen.de)

Mario Praxmarer, Peter Adam, König Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol , Garmisch-Partenkirchen 2002.