Altlach

Der Bräu-Hof in Altlach – Ludwigs Talstation beim Hochkopf

von Julia Saggerer

Am Südufer des Walchensees liegt Altlach – ein kleiner Ortsteil der Jachenau, zu dem nur vier Anwesen gehören. Eines davon ist der Bräu-Hof, in dem Ludwig II. öfter zu Gast war. Das Haus diente als Talstützpunkt für die Bergfahrten zum Altlacher Hochkopf. Auf der Wiese vor dem Haus hielt der König Kabinettsitzungen ab oder unterhielt sich ausgiebig mit dem Hausherrn Anton Bräu.

Der Altlacher „Bräu“-Hof in der Jachenau am Südufer des Walchensees

Am Südende des Walchensees biegt man in die Mautstraße Richtung Jachenau ab. Nach wenigen Kilometern gelangt man auf der schmalen Uferstraße nach Altlach. Der stattliche Hof, der 1843 erbaut wurde, liegt einsam linker Hand auf einer Wiese direkt am Ufer (Hausnummer 59). Unübersehbar ist die Giebelkrönung mit dem Ludwig-Monogramm „L“ und zwei Gamsköpfen. Auch im Oberlicht der Balkontür zeugt ein „L“ davon, dass die Geschichte dieses Hauses mit Ludwig II. verbunden ist.

Königszimmer
Wenn Ludwig zu spät in Altlach eintraf, um noch den Aufstieg zum Altlacher Hochkopf zu beginnen, übernachtete er im Südostzimmer im ersten Stock. Dieses einstige „Königszimmer“ dient heute als Fremdenzimmer für „Ferien auf dem Bauernhof“. Im Haus gibt es manche Erinnerung an Ludwig II., zum Beispiel den Kachelofen, an dem sich der König wärmte.

Förster Anton Bräu über den König
Zu Ludwigs Zeiten war das Gebäude ein Bauern- und Försterhaus. Mit dem damaligen Förster, Anton Bräu, unterhielt sich der König oft bis spät in die Nacht. Der Förster erzählt: „Ich konnte den König schon verstehen, wenn er allein die verschiedensten Naturstimmungen beobachten wollte, wenn der Mond die fernen Bergspitzen bestrahlte, wenn früh morgens die ersten Sonnenstrahlen die Gipfel ringsum vergoldeten, wenn Nebelschwaden gespenstisch über die Riffe zogen und die verschiedenartigen Gesänge der Vögel die herannahende Morgenröte verkündeten. Nur wer selbst einmal die Natur, die Berge und Seen, am frühen Morgen oder am späten Abend beobachtet hat, wer die Stille und Ruhe der Einsamkeit gerade in solchen Stunden gespürt hat, der wird einen Ludwig II. verstehen, der wird begreifen, was die Natur, die Einsamkeit, diesem Monarchen zu geben vermochte.“

Kabinettsitzung mit Aussicht: Hier empfing Ludwig Regierungsbeamte

Staatsgeschäfte auf grüner Wiese
Bei seinen Ausflügen ins Gebirge legte Ludwig Wert darauf, dass die Staatsgeschäfte nicht vernachlässigt und ohne Aufschub erledigt wurden. Der Geschäftseinlauf wurde ihm entweder durch berittene Boten zugestellt – oder Kabinettchef und Hofsekretär mussten persönlich zum Vortrag in die Berge kommen. Luise von Kobell, die Frau des Kabinettsekretärs Eisenhart, berichtet, dass solche Voträge oft am Fuße eines Berges – bei den Talstützpunkten der Berghütten – stattfanden. So war auch Altlach Schauplatz von Staatsgeschäften.

Kobell: „Ein paar Mal wickelten sich zur Sommerszeit die Staatsgeschäfte vor dem Forsthaus in Altlach am Walchensee ab. Der Förster hatte Haus und Flur von oben bis unten scheuern lassen, Stühle und Tisch in eine Wiese gestellt, eine rote Wolldecke darüber gedeckt, einen riesigen Blumenstrauß darauf postiert, seine Dachshunde in die Hundshütte verbannt… Da sprengte der König mit seinem Pferd- und Wagentroß daher. [Kabinettsekretär] Eisenhart erschien mit seinem Portefeuille und der Vortrag fand im Freien statt. Die Szenerie war eigentümlich. Im Hintergrunde der Wiese lagerten die Reitknechte und reihten sich die Fahrzeuge aneinander. Der König setzte sich, die schottische Mütze auf dem Kopf, im Reisekostüm an den Tisch, rückwärts von ihm, stramm aufrecht, zwei Lakaien, vor ihm stand sein Kabinettschef im schwarzen Frack, den Claquehut unter dem Arm, und berichtete mit lauter Stimme über die von den verschiedenen Ministern eingesandten Anträge und Vorschläge; dann und wann mischte sich das Tönen einer Kuhglocke darein, oder das Gekläffe der über ihre Haft erbosten Hunde [des Försters]. – Nachdem der König die letzte Entschließung getroffen und die Unterschriften gefertigt hatte,verabschiedete er leutselig seinen Sekretär, gab ein Zeichen, und wie durch eine Zauberformel verschwand die ganze Gesellschaft.“

Der Gedenkstein erinnert an den Aufenthalt Richard Wagners am Hochkopf im August 1865

Der Gedenkstein erinnert an den Aufenthalt Richard Wagners am Hochkopf im August 1865

Richard Wagner in der Wildnis
Schräg gegenüber dem „Bräu“-Hof beginnt der Aufstieg zum Hochkopf. Am Beginn des Forstweges erinnert ein Gedenkstein mit einer Bronzetafel daran, dass der Komponist Richard Wagner im August 1865 den Hochkopf einmal auf Empfehlung Ludwigs besuchte – allein, nur mit Diener Franz und Hund – um an der Oper „Parsifal“ zu komponieren.

Wagner schildert diesen Aufenthalt im „Braunen Tagebuch“ für Cosima: den „mühseligen“ Aufstieg, die Ankunft bei „völliger Nacht“, die vergebliche Suche nach Wasser in „vollständiger Wildnis“ und das nach drei Tagen einsetzende „üble Wetter“. Er zieht sich eine „große Erkältung“ zu und bricht den Aufenthalt schließlich ab. Dem König erklärt er seine vorzeitige Abreise nach zehn Tagen: „[Ich] sehe die Unmöglichkeit ein, hier oben zu genesen, und wende mich morgen, nicht ohne Sorgen gegen die Beschwerden der Reise, nach München zurück, um mich der Behandlung des Arztes zu übergeben… (…) Drei schöne Tage genoß ich hier: sie zeigen mir an, was ich vielleicht andere Jahre hier oben werde finden können, wenn ich, in allem Nöthigen wohl vorbereitet… mich wieder heraufwende.“  Doch Wagner kam nie wieder. Ludwig bemühte sich seitdem vergebens, den Meister zu einem weiteren Besuch eines seiner Berghäuser zu überreden.

Von Altlach zum Hochkopf
Vom Richard-Wagner-Gedenkstein aus geht man auf einer Forststraße entlang Richtung Süden. Nach 600 Metern zieht die Forststraße dann nach rechts. Dieser Weg führt zunächst entlang eines Baches und dann einige Stufen hinauf. Danach geht bei ungefähr 1200 Metern die Forststraße weiter, der man nach links etwas bergab folgen muss. Nach einiger Zeit begegnet man links einem schönen Bergpfad, der in etwa 20 Minuten zur Hochkopfhütte führt. Es ist eine ziemlich einfache Wanderung. Für den Aufstieg sollte man aber 2,5 Stunden einplanen. Der Abstieg dauert in etwa 1,5 Stunden. Lohnenswert ist auf alle Fälle die Aussicht von der Hütte. Außerdem wird der Hochkopf nur von wenigen Wanderern aufgesucht – so kann man die Natur wunderbar genießen.

Kochel und Walchensee AK gel 1913

Kochel und Walchensee AK gel 1913

Literatur:
Mario Praxmarer, Peter Adam, König Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol, Garmisch-Partenkirchen 2002.

Hermann H. Hausner, Ludwig II. von Bayern. Berichte der letzten Augenzeugen, München, Salzburg 1962.
Rupert Hacker, Ludwig II. von Bayern in Augenzeugenberichten, Düsseldorf 1966.