Kreuzigungsgruppe

Die Kreuzigungsgruppe – monumentales Geschenk Ludwigs II.

von Maximilian Mayet

Zum Dank und zur bleibenden Erinnerung an das Passionspiel von 1871 stiftete Ludwig II. dem Ort Oberammergau eine 12 Meter hohe Kreuzigungsgruppe aus Marmor – gewidmet „den kunstsinnigen und den Sitten der Väter treuen Oberammergauern“ (Inschrift am Sockel).

Kreuzigungsgruppe am Osterbichl mit Blick ins Ammertal

Kreuzigungsgruppe am Osterbichl mit Blick ins Ammertal

 

Der Auftrag erging noch im Passionsjahr 1871 an den Münchner Bildhauer Professor Johann Halbig (1814-1882), der schon für Ludwigs Großvater Ludwig I. und dessen Star-Architekten Leo von Klenze tätig gewesen war. Halbig hatte unter anderem die Modelle für die Kolossalstatuen an der Kelheimer Befreiungshalle erstellt. Er schuf zunächst ein Tonmodell der Kreuzigungsgruppe, das Ludwig II. persönlich begutachtete und genehmigte. Als Material entschied man sich für Kelheimer Marmor, der als besonders schön und wetterfest galt. Drei Tage dauerte der Transport der insgesamt 4000 Zentner schweren Marmorblöcke (1 Zentner = 56 Kilogramm) von Kelheim zu Halbigs Atelier in der Münchner Damenstiftstraße. Nach 4 Jahren hatte Halbig seine Arbeit fertiggestellt. Ludwig bestimmte auch den Standort des Monuments: auf dem Osterbichl, einer Anhöhe über dem linken Ammerufer, wo es vom Dorf aus gut einsehbar war. Von dort oben bietet sich auch ein herrlicher Blick auf den Ort und das Ammertal.

Was symbolisiert die Kreuzigungsgruppe?
In der christlichen Kunst sind Kreuzigungsgruppen ein häufig verwendetes Motiv. Sie zeigen stets den gekreuzigten Christus und zu seinen Füßen seine Mutter Maria und seinen Lieblingsjünger Johannes. Die Szene vermittelt eine konkrete Botschaft aus dem Johannes-Evangelium, Kapitel 19, Vers 26-27. Dort sagt Jesus kurz vor seinem Tod zu Maria und Johannes, dass sie von nun an Mutter und Sohn sein sollen. Nach christlichem Verständnis symbolisiert Maria die „Mutter Kirche“; Johannes steht für die Gemeinde der Gläubigen. Kreuzigungsgruppen erinnern also daran, dass zwischen Kirche und Gläubigen eine untrennbare Beziehung bestehen soll. – Ludwig II. entschied sich bewusst für ein Geschenk mit dieser Symbolik.

Die Kreuzigungsgruppe von Oberammergau

Die Kreuzigungsgruppe von Oberammergau