Hochkopfhütte

Idylle mit Ausblick: Des Königs geliebte Hochkopfhütte (1299 m)

von Julia Saggerer

Ein beliebter Aufenthaltsort Ludwigs II. war das Jagdhaus am Altlacher Hochkopf (1348 m) auf dem bewaldeten Bergrücken zwischen Walchensee und Isartal. Der König liebte die Abgeschiedenheit und den sagenhaften Ausblick bei der Hochkopfhütte. Beides findet man heute noch dort. Die Hütte ist nicht bewirtschaftet und der Hochkopf damals wie heute ein einsames Wandergebiet.

Von der Giebelseite der Hütte blickt man über den Isartalboden zum Wettersteingebirge

Von der Giebelseite der Hütte blickt man über den Isartalboden zum Wettersteingebirge

Herrliche Aussicht
Von der Giebelseite der Hütte hat man eine phantastische Sicht zum Wettersteingebirge mit Schachen und Zugspitze. Der Blick schweift über den Isartalboden mit Mittenwald, Krün, Barmsee und Wallgau bis zum Soierngebirge. Eine noch bessere Aussicht zum Karwendel hat man vom Hochkopfgipfel, der nur 5 Gehminuten entfernt ist. Ein Panoramaweg um den Gipfel (ca. 45 Minuten) eröffnet den Blick nach Norden über den türkisblauen Walchensee. Zu Ludwigs Zeiten war der Rundweg mit Ruhebänken und Parapluis ausgestattet und so ausgebaut, dass er mit dem zweirädrigen Bergwagen befahrbar war. Heute ist der Weg verwachsen, schwer zu finden – aber durchaus noch erhalten.

Die Hochkopfhütte (1299 m) ist äußerlich nahezu im Originalzustand erhalten

Die Hochkopfhütte (1299 m) ist äußerlich nahezu im Originalzustand erhalten

Wertvoller als alle Schlösser?
Ludwig schrieb am 21. Juni 1867 von der Hochkopfhütte an Richard Wagner: „Warum diese stille, einfache Hütte mir werth und theuer ist und zwar werther als alle Schlösser mit ihrem Glanz und hohlen Prunk, brauche ich dem Theuren [Wagner] wohl kaum zu sagen; denn die traute Stätte war ja auch ihm ein Zufluchtsort…“.  Übertreibung? Als Ludwig dies schrieb, hatte er mit dem Schlösserbauen noch gar nicht begonnen. Allerdings belegt sein Itinerar, dass er sich in seinen schlichten Berghäusern wohl wirklich am liebsten aufhielt.

1866: Zum Geburtstag ein Reitausflug
Im Sommer des Schicksalsjahres 1866 – nach der Niederlage gegen Preußen und nachdem am 22. August der Friedensvertrag in Berlin unterzeichnet war – hat Ludwig das Bedürfnis, seinen Geburtstag fern vom Hof zu verbringen. Er schreibt seiner Mutter: „Da Pfordten auf der Rückreise von Berlin begriffen ist, dringende Geschäfte jetzt also nicht vorkommen, so will ich diese kurze Frist benützen, um einen Ausflug in’s Gebirg, aber nicht nach Hohenschwangau zu machen [wo Ludwig sonst Geburtstag zu feiern pflegte – Anm. d. Verf.], vielleicht nach Halbammer, oder andere Berghütten.“ Er fügt entschuldigend hinzu: „Es würde mich betrüben, wenn Ihnen dies unangenehm wäre, aber ich war diesen Sommer so sehr in die Stadt und an’s Zimmer gebannt, daß ich eine wahre Sehnsucht habe, wieder einmal einen Reitausflug ins Gebirg machen zu können. Leider erübrigt sich jetzt keine andere Zeit zu besagtem Ausflug, als die Reisezeit Pfordtens.“

Königlicher Hochleistungssport
Was der junge König einen „Ausflug“ nennt, war eine sportliche Höchstleistung. In knapp 6 Tagen (vom 23. – 28. August) reitet er über Linderhof nach Partenkirchen, von dort zum Hochkopf – wo er den Geburtstag verbringt – dann über Ettal und wieder Linderhof am Plansee entlang bis ins tirolerische Reutte und zurück über Steingaden nach Schloss Berg am Starnberger See.

Unberührte Idylle im Bergwald am Hochkopf

Unberührte Idylle im Bergwald am Hochkopf

Ludwig mag die „wonnige Einsamkeit“
Im Jahr 1867 hält Ludwig sich vom 21. bis 23. Juni am Hochkopf auf. Von dort schreibt er an Wagner: „Gestern begab ich mich nach dem geräuschvoll unruhigen Treiben des Tages [Fronleichnam] hierher nach dem abgeschiedenen, trauten Hochkopf, wo ich auflebe in wonniger Einsamkeit, fern der Welt, die mich stets verkennt und mit der auch ich mich nie und nimmer befreunden kann und will.“

Zu Wagners Geburtstag im Mai 1878 schreibt Ludwig: „Auf der Höhe des Hochkopfes, der gerade im Mai so wonnig schön ist und den Sie leider i. J. 65 in so trauervoller Stimmung und überdieß bei heftigem Sturm und Regen kennenlernten, hier also feierte ich Ihr theures Geburtsfest… Es ist himmlisch in Gottes freier Natur im geliebten Mai…“.

Überwucherte Mauerreste zeugen noch von den einstigen Nebengebäuden

Überwucherte Mauerreste zeugen noch von den einstigen Nebengebäuden

Zwei kleine Zimmer für den König
Um 1850 hatte Ludwigs Vater Max II. die Hochkopfhütte als Jagdhaus erbauen lassen. Der eingeschossige, vollständig mit Holzschindeln verkleidete Bau mit Veranda steht heute unter Denkmalschutz. Er ist in seiner äußeren Form weitgehend so erhalten, wie Ludwig ihn vom Vater übernahm.
Das Jagdhaus besteht aus vier Räumen, damals ein königliches Schlafzimmer, ein Salon, Gästezimmer und Lakaienzimmer. Außerdem gab es eine kleine Toilette. Die An- und Ausbauarbeiten, die der König 1869/70 durch Zimmermeister Paul Schwarzenberger aus Lenggries vornehmen ließ, betrafen vor allem zusätzliche Nebengebäude, von denen heute nur noch die Fundamente vorhanden sind: Küchengebäude, Pferdestall, Arbeiterhütte und eine kleine Jagdgehilfenwohnung.

Der Hofkoch findet es „armselig“
Die Innenausstattung der Hochkopfhütte beschreibt Theodor Hierneis. Er war ab 1882 Kücheneleve der Hofküche, ab 1884 Hofkoch, und gehörte bei den Gebirgsausflügen zum Begleitpersonal.  „…drei einfache Zimmer für den König. Sie sind mit geringen Mitteln etwas wohnlich gemacht, der Boden ist mit einem grauen rupfenähnlichen Wollteppich belegt, die Wände mit Jagdstichen und Familienbildern behängt. Im Schlafzimmer ein runder Tisch mit einer Petroleumlampe, in der einen Zimmerecke ein Kachelofen, in der anderen das simple hölzerne Bettgestell, dazu ein paar Stühle, ein geschnitztes Kruzifix – wahrlich armselig im Kontrast zu Schloß Linderhof oder Herrenchiemsee.“

Giebelseite der 2003 liebevoll restaurierten Hochkopfhütte

Giebelseite der 2003 liebevoll restaurierten Hochkopfhütte

Restaurierung durch den Alpenverein
Nach Ludwigs Tod wurde die Hütte für königliche Jagdgesellschaften genutzt. Dann kam sie als Diensthütte zur Forstverwaltung. Zuerst war das Forstamt Fall zuständig, zuletzt Bad Tölz.

Nach mühsamen Verhandlungen erhielt der Deutsche Alpenverein (Sektion Vierseenland) 2001 einen Pachtvertrag für die denkmalgeschützte Hütte. Man übernahm auch die – längst fällige – Restaurierung nach Auflagen des Denkmalamtes. Seit der Fertigstellung 2003 wird die Hochkopfhütte von den DAV-Mitgliedern als Selbstversorgerhütte genutzt.

Von der Innenausstattung aus der Zeit Ludwigs II. konnten gerettet werden: ein schwarzer Kachelofen, hölzerne Wandverkleidungen mit Edelweiß- und Herzornamenten sowie zwei Fensterläden.

Literatur:

Mario Praxmarer, Peter Adam, König Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol, Garmisch-Partenkirchen 2002.

Karin und Hannes Heindl, Ludwigs heimliche Residenzen, München 1986.