Feuermacher

„Feuermachen ist Männersache“

Interview mit einem Oberammergauer Feuermacher

von Maximilian Mayet

„Feuermacher“ – so nennen sich etwa 90 Männer, die alljährlich zum Ludwigstag die berühmten Bergfeuer von Oberammergau anzünden. Was motiviert diese Männer? Wie läuft das Feuermachen ab? Wie steht ein Feuermacher von heute zu dieser Tradition?
Unser Reporter Maxi Mayet sprach mit dem Feuermacher Frederik Mayet.

Frederik Mayet

Der Oberammergauer Feuermacher Frederik Mayet

Maximilian: Als erstes würde ich gerne wissen: Wie oft bist du schon mitgegangen?
Frederik: Ich bin jetzt sechs Mal dabei gewesen.

Maximilian: Was ist deine persönliche Motivation mitzumachen?
Frederik: Es ist ein schöner und alter Brauch. Außerdem, man verbringt den Tag am Berg mit seinen Freunden. Es wird dort oben gegrillt, man trinkt Bier und führt schöne Unterhaltungen. Es ist immer ein ganz tolles Erlebnis, wenn man da oben steht und ins Tal blickt –  wenn es langsam dunkel wird, und die Feuer entfacht werden… Danach geht man ins Tal und trifft die anderen Feuermacher. Das ist ein tolles Gemeinschaftserlebnis.

Maximilian: Wie muss man sich das genau vorstellen? Wie viele Feuer werden entzündet?
Frederik:  Ich bin beim „L“ dabei. Und dann gibt es noch die „II“. Aber das Älteste ist eigentlich das Kreuz am Kofel an der Nordwand. Drüber gibt’s dann noch die Krone. Es gibt noch verschiedene Bergfeuer auf den anderen Bergen um Oberammergau, zum Beispiel am Laberköpferl, am Rappenkopf oder am Aufacker. Ich glaube, es sind acht oder neun Feuer, die entzündet werden. Alle weiß ich gar nicht genau.

Maximilian: Und wie läuft das Feuermachen dann ab?
Frederik: Also, das Hauptfeuer ist eigentlich die Krone am Kofel. Die geben auch das Signal, wann angezündet werden soll – eine Viertelstunde nach Sonnenuntergang, wenn es halt wirklich dunkel ist. Dann versuchen wir, alle Feuer gleichzeitig zu zünden. Das Zeichen kommt vom Kofel. Dort oben spielt ja auch der Musikverein Lieder und Choräle. Ein Lied ist zum Beispiel „Der alte Kamerad“, das den Verstorbenen gewidmet ist.

Krone aus Feuer am Kofelgipfel: Von hier kommt der Startschuss zum Anzünden

Maximilian: Was weißt du über die Tradition Eurer Feuer?
Frederik: Das Ludwigfeuer wurde zwei Jahre nach dem Tod des Königs ins Leben gerufen, also zum ersten Mal 1888 gemacht. Die Feuer werden am Vorabend des Geburtstages von König Ludwig entzündet, also immer vom 24. auf den 25. August.

Maximilian: Und wie endet das Ganze?
Frederik: Es dauert ungefähr eine Stunde. Wir warten bis die Feuer runter gebrannt sind. Dann geht man von den Feuern ins Dorf, und es gibt einen Marsch der Feuermacher. Ich glaub, es sind ungefähr 90 Oberammergauer. Wir marschieren durch das Dorf an der Kirche vorbei ins Gasthaus Rose. Da bekommen wir dann noch einen Schweinebraten und zwei Maß Bier – und dann ist der Abend beendet.

Maximilian: Eine letzte Frage. Warum dürfen nur Männer auf den Berg und Feuer machen?
Frederik: Es wird seit 1888 so gemacht, und es war halt so, dass nur Männer die Feuer gemacht haben und die Tradition eingeführt haben. Bis heute hat sich daran nichts geändert – und deshalb gibt es keine weiblichen Feuermacher.

Maximilian: Danke für das Interview.
Frederik: Ja bitte, hat mir Spaß gemacht.