Ludwigfeuer

Feuer und Flamme für den König

Alljährlich zum Geburtstag Ludwigs II. veranstaltet die Gemeinde Oberammergau eine einzigartige Gedenkfeier.

Der Kofel mit Krone und Kreuz aus Flammen beim Ludwigfeuer 2011

Königstreue ist Ehrensache
Im Oberland ist man königstreu. Darum wird ein Brauch hier besonders gepflegt: Am Vorabend des Geburts- und Namenstages Ludwigs II., am 24. August, lodern zu Ehren des Königs vielerorts auf den Bergen die berühmten Ludwigfeuer. Doch das Bergfeuer von Oberammergau ist etwas ganz Besonderes. Die Ammergauer „Feuerer“, etwa 100 engagierte Männer, sind im wahrsten Sinne des Wortes Feuer und Flamme für ihren König. Nur sie dürfen auf die Berge hinauf, um die Feuer vorzubereiten und zu entzünden. Es ist eine Ehre, dabei zu sein!

Krone, Kreuz und Ludwig-Initialen
Schon an Fronleichnam wird alljährlich das Holz geschnitten und zum Trocknen ausgelegt. In mühevoller Arbeit trägt man die schweren Brennholzscheite hinauf zum Kofelfleck. Dort, am Fuße der Steilwand des Kofel, des Oberammergauer Hausbergs, wird ein riesiges Kreuz aus Holzstößen aufgeschichtet.

Auf dem Gipfel des Kofel in 1342 Metern Höhe entsteht eine 14 Meter große Königskrone. Diese Arbeit ist 15 ausgewählten Männern vorbehalten, den „Kronerern“. Die Krone besteht aus einem Holzgerüst aus Fichtenstangen, das erst am Morgen des 24. August zusammengebaut wird. Am Abend werden dann Töpfe mit in Petroleum getränkten Tüchern an das Gerüst gehängt. Auf dem gegenüberliegenden Hang des Aufacker formt man ein riesiges, kunstvoll geschwungenes „L“ und eine römische „II“ aus Fackeln – für „König Ludwig den Zweiten“. 

Am Kofelfleck lodert das riesige Kreuz aus Holzscheiten

Wenn die Feuermacher auf die Berge hinaufgehen, sind im Tal ihre entfernten Stimmen zu hören. Ab und an ertönen Schüsse und Jodler zwischen Berg und Tal.

Atmosphäre pur
Bei Einbruch der Dunkelheit gegen 21 Uhr künden drei Böllerschüsse das Entfachen der Feuer an. Von der Bergwand spielt die Oberammergauer Blaskapelle den Choral „Die Himmel rühmen“, während auf den umliegenden Höhen die Bergfeuer immer heller zu brennen beginnen. Bald flackern und strahlen auch die Gipfelkrone, das Kreuz am Kofelfleck, und die Initialen des Königs am Aufacker. Am schwarzen Nachthimmel scheint es, als ob die Feuerbilder frei über dem Ort schwebten – wenn nicht gerade eine rote, grüne oder weiße Leuchtkugel aufsteigt und die Hänge und die steil aufragende Felswand des Kofel sichtbar werden lässt. Wohl zwei Stunden lang währt die stimmungsvolle Atmosphäre.

Wenn die Holzstöße weitgehend abgebrannt sind, die Feuer kleiner werden, ertönt zum Abschluss die Bayernhymne. Dann steigen die Feuermacher mit ihren Fackeln hinab ins Dorf. Wie ein langer, glühender Wurm schlängelt sich der Fackelzug den waldigen Berghang hinunter. Im Ort werden die Männer gebührend empfangen. Man feiert bis in die Morgenstunden im Gasthof „Rose“, denn der König erblickte ja um 0.30 Uhr am 25. August das Licht der Welt.

Feier mit Tiefgang
„Da hab ich aber schon was Größeres gesehen“, sagt ein Tourist, als der Schein der Feuer schwächer wird. Gemessen an den bombastischen Feuerwerken, die vielerorts extra für Touristen abgebrannt werden, ist das Ludwigfeuer in Oberammergau sicherlich ein eher schlichtes Ereignis.

Vielleicht liegt gerade in der Schlichtheit das Besondere? Diese Feier ist ihrer Tradition nach immer noch Ausdruck jener Innigkeit, mit der die Ammergauer sich einst ihrem König Ludwig verbunden fühlten. Wie viel von diesem Gefühl ist heute noch lebendig? Den „Feuermachern“ des Dorfes ist es immer noch eine Ehre, alljährlich die Anstrengungen auf sich zu nehmen. Denn das Oberammergauer Ludwigfeuer ist kein reines Touristenspektakel – sondern echte Tradition.

Als 1886 Verhaftung und Tod Ludwigs II. bekannt wurden, kam es in Oberammergau beinahe zum Aufruhr. Nur der Gedanke an den Ruf als Passionsspielort hielt die Menschen zurück. Aber die Verstimmung gegenüber der Obrigkeit hallte lange nach. Erstmals 1888 entzündeten königstreue Ammergauer ein Bergfeuer auf dem Kofelfleck. Die Gipfelkrone gibt es seit 1946.

Die Königskrone auf dem Gipfel des Kofel (1342 m)